VCÖ-Factsheet 2017-07 - VCÖ-Bahntest: Fahrgäste wollen häufigere Verbindungen

Die Bereitschaft häufiger Bahn zu fahren nimmt in Österreich weiter zu, wie der VCÖ-Bahntest 2017 zeigt. Bereits jeder zweite Fahrgast hat Autofahrten auf die Bahn verlagert. Das verbesserte Angebot der Bahnen bringt auch mehr Fahrgäste.

VCÖ-Factsheet 2017-07 als PDF (3,7MB)

Fast 13.900 Fahrgäste haben in den Zügen von acht Bahnunternehmen am VCÖ-Bahntest 2017 teilgenommen. 37 Prozent sind in den vergangenen zwölf Monaten häufiger Bahn gefahren als zuvor, sogar 46 Prozent bei den unter 25-Jährigen. 47 Prozent der Fahrgäste gaben an, dass sie Strecken, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben, jetzt mit der Bahn fahren. Ausschlagend war bei vielen die nutzbare Zeit beim Bahnfahren, die Verkürzung der Fahrzeit und das insgesamt verbesserte Bahnangebot. Seit dem Jahr 2005 sind die in Österreich mit der Bahn gefahrenen Kilometer um rund 40 Prozent gestiegen.

Bahnangebot verbessern und ausbauen

Aus Sicht von jedem zweiten Fahrgast entwickelt sich die Qualität beim Bahnfahren in Österreich in die richtige Richtung. 54 Prozent erlebten die Bahnen in den vergangenen 12 Monaten pünktlicher als davor, elf Prozent aber unpünktlicher. Die Qualität der Waggons hat sich für 57 Prozent der Fahrgäste verbessert. Die Gesamtreisezeit, also von Tür zu Tür und inklusive regionaler Anschlussverbindungen, ist den Fahrgästen sehr wichtig. Wenn die Anschlussverbindung leichter garantiert werden kann, dann akzeptieren acht von zehn Fahrgästen eine fahrplanmäßig etwas längere Gesamtreisezeit.

Viele nutzen digitale Angebote der Bahnen

Um die Klimaziele erreichen zu können, ist eine Abnahme der Pkw-Fahrten und Zunahme der mit der Bahn gefahrenen Strecken nötig. Zu seltene Zugverbindungen sind ein wesentlicher Grund, warum Bahnfahrende für manche Strecken das Auto verwenden. Angesichts flexiblerer Arbeitszeiten sind auch außerhalb der klassischen Pendelzeiten häufige Verbindungen nötig. Auch der verstärkte Ausbau der grenzüberschreitenden Bahnverbindungen in Europa ist hoch an der Zeit. Bereits die Hälfte der Fahrgäste sind mit einem Nachtzug gereist, weitere 31 Prozent können sich vorstellen, das zu tun.

78 Prozent der Fahrgäste verwenden digitale Angebote wie Fahrplanauskunft oder Ticketkauf. Auch in der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind es fast zwei Drittel. Bereits jeder zweite Fahrgast nutzt die Fahrplanabfrage via Smartphone-App. Drei von zehn nutzen das Online-Ticketing, 15 Prozent kaufen zumindest gelegentlich ein Ticket per App. Während der Zugfahrt verwenden drei Viertel der Fahrgäste mobiles Internet. Die Hälfte erlebt eine bessere Verbindungsqualität im Vergleich zu früher, aber jeder Dritte beurteilt sie aktuell als zu schlecht. 

Zentrale Faktoren für den Erfolg der Bahnen

Die Analyse des SORA-Instituts zeigt, dass die Beurteilung der Qualität des mobilen Internets gemeinsam mit der Bequemlichkeit des Sitzplatzes der stärkste Einflussfaktor auf die Absicht ist, künftig häufiger oder seltener Bahn zu fahren. Ähnlich wichtig dafür ist nur die Sauberkeit des Zuginneren.
Ob mehr Wege mit der Bahn zurückgelegt wurden, hängt mit zwei relevanten Einflussfaktoren stark zusammen: Je besser die Qualität und der Komfort des Bahnfahrens insgesamt und je besser die Pünktlichkeit eingeschätzt werden. Die Bewertung von Qualität und Komfort des Bahnfahrens wird vor allem durch die Beurteilung der Waggons, der Pünktlichkeit sowie von Informations- und Servicequalität beeinflusst. Danach folgen die Häufigkeit der Zugverbindungen, Qualität der Bahnhöfe und die Abstimmung von Bahn und anderem Öffentlichen Verkehr. Die Beurteilungen der Fahrgäste beim VCÖ-Bahntest zeigen sehr gut, in welchen Bereichen Verbesserungen bei den Bahnen nötig sind.

VCÖ-Empfehlungen

Die VCÖ-Publikation „Personenmobilität auf Klimakurs bringe“ zeigt Wege zum Klimaziel auf und ist beim VCÖ um 30 Euro zu bestellen. T: +43-(0)1-893 26 97 E: vcoe@vcoe.at www.vcoe.at
  • Häufigere Bahn-Verbindungen insbesondere in den Ballungsräumen und zwischen den regionalen Zentren
  • Verbesserung der aktiven Information bei Verspätungen und Störungen, vor allem während der Zugfahrt
  • Weitere Verbesserung des Empfangs für mobiles Internet, bekannt machen der Möglichkeiten per Smartphone-App
  • Modernisierung von Bahnhöfen fortsetzen, Bahnhöfe zu multimodalen Schnittstellen ausbauen: Anbindung des städtischen und regionalen Öffentlichen Verkehrs an die Bahnhöfe verbessern, gute Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Fahrrad sicherstellen, ausreichend viele wetter- und diebstahlgeschützte radabstellanlagen sowie Leihradstationen und Carsharing anbieten
  • Europaweiter Ausbau der grenzüberschreitenden Verbindungen, insbesondere mit Nachtreisezügen als Alternative zu Kurzstrecken-Flügen
  • Ausbau des Taktfahrplans, ganzjährig regelmäßige Verbindungen auch am Abend und am Wochenende


>>„Internet und Smartphone machen es auch für jene, die selten Bahnfahren, leicht die richtige Verbindung zu finden. Diese Angebote sind noch bekannter zu machen. Gleichzeitig dürfen leichtgängige, analoge Informationswege nicht vernachlässigt werden.“<<

Markus Gansterer, VCÖ-Verkehrspolitik

 

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