VCÖ-Hintergrundgespräch "Dieselruß heizt Klima an"

Dieselruß, das sogenannte „Black Carbon“, ist ein Hauptverursacher für das Abschmelzen der Gletscher. Eine Expertenrunde diskutierte auf Einladung des VCÖ die Auswirkungen und präsentierte Lösungsansätze zur Reduktion dieses Schadstoffs.

Axel Friedrich, Verkehrswissenschafter, war lange Jahre Leiter der Abteilung „Umwelt und Verkehr“ im deutschen Umweltbundesamt. Er stellte in seinem Impulsreferat klar, dass die Klimaerwärmung eindeutig vom Menschen verursacht sei. Die Temperaturerhöhungen seien aber nicht überall auf der Erde gleich. Am Nordpol beispielsweise werde eine stark erhöhte Temperatur gemessen. Dies bewirke einen massiven Rückgang der Eismassen, sodass der Nordpol in 40 bis 50 Jahren eisfrei sein könnte. Und die Geschwindigkeit des Abschmelzens erhöhe sich ständig, auch bei den Gletschern in den Alpen, den Anden und am Himalaya. Dies gefährde die Wasserversorgung von Millionen Menschen.

Friedrich sieht die Ursache für den Schwund der Gletscher nicht alleine im Treibhausgas CO2. Der Ruß, der bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff entstehe, sei ebenso wesentlich dafür verantwortlich. Im Winter würden Ost-West-Winde die Dieselpartikel, die in Europa emittiert werden, in vier bis fünf Tagen bis in die Arktis verbringen. Dort lagern sie sich ab und ihre schwarze Farbe absorbiere Wärme, was zum Abschmelzen führe.

Urs Baltensperger, vom Paul Scherrer Institut in Villigen, Schweiz, wies darauf hin, dass Dieselruß aus dem Verkehr nicht die einzige Rußquelle sei. Auch Hausbrand, Waldbrände, etc. erzeugten Ruß. Messungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und der Schweiz bestätigten jedoch die Wichtigkeit des Verkehrs bei der Ruß-Emission: der Anteil an Rußpartikeln war auf österreichischer Seite deutlich höher, was auf den hohen Anteil an Diesel-Fahrzeugen in Österreich zurückzuführen sei. Biodiesel stoße übrigens gleich viel an Dieselruß aus.

Baltensberger sieht deshalb Handlungsbedarf beim Verkehr: Es dürften keine neune Fahrzeuge ohne Partikelfilter mehr in den Verkehr gelangen.

Der Anteil von Dieselruß im Feinstaub betrage laut Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt üblicherweise zwischen 5 und 20 Prozent, je nach Nähe zu Straßen. Für ihn sei der gesamte Feinstaub-Ausstoß zu regulieren, der Fokus solle aber auf den Ruß gelegt werden, da dieser besonders gesundheitsgefährdend sei. Hauptverursacher seien insbesondere ältere Diesel-Fahrzeuge. Die niedrigere Besteuerung von Dieselkraftstoff im Vergleich zu Benzin in Österreich beeinflusse die Pkw-Kaufentscheidung. Derzeit betrage der Kraftstoffverbrauch in Österreich acht Milliarden Liter, drei Viertel davon Diesel.

Helmut Hojesky vom Lebensministerium befand die gesundheitlichen Aspekte des Dieselruß als vordringlich. Er führte an, dass der Anteil von Diesel-Fahrzeugen bei Pkw-Neuzulassungen aufgrund der Feinstaubdiskussion zurückgehe. Hojesky wies auch auf das Problem des Tanktourismus in Österreich hin. Aufgrund von niedrigeren Treibstoffpreisen werde eine beträchtliche Menge an Benzin und Diesel, die in Österreich getankt wird, im Ausland verfahren.

Der VCÖ weist darauf hin, dass es in Österreich laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 2.400 Todesopfer aufgrund von Kfz-Abgasen gibt. Zu diesem gesundheitlichen Aspekt komme noch die Klimakomponente hinzu. Österreich produziert überdurchschnittlich viel Dieselruß, da es einen hohen Anteil an Diesel-Pkw aufweise. Der Feinstaub-Ausstoß von Diesel-Pkw ist um etwa das 14-fache höher als jener von Benzin-Fahrzeugen. Auch neuere Diesel-Fahrzeuge stoßen mehr Rußpartikel aus als Benziner.

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