VCÖ: Zu hohe Abgaswerte nun bei weiteren Autohersteller gemessen - VW ist nur Spitze des Eisbergs

VCÖ (Wien, 2. Februar 2016) – Der Dieselabgas-Skandal weitet sich aus: In den Niederlanden wurde bei Messungen im Auftrag des Umweltministeriums bei einem Mercedes C-Klasse (EURO 6) beim Fahren bei Stadtgeschwindigkeiten um bis zu das 40-Fache an Stickoxiden gemessen als am Prüfstand.  VW ist nur die Spitze des Eisbergs, auch Modelle anderer Hersteller weisen beim Fahren auf der Straße deutlich überhöhte Stickoxid-Werte auf, betont der VCÖ. Der VCÖ sieht das EU-Parlament gefordert, sich bei der morgigen Abstimmung gegen die Aufweichung der Abgasgrenzwerte auszusprechen.

Das Niederländische Prüfinstitut hat im Auftrag des Umweltministeriums Abgasmessungen durchgeführt. Bei einem Mercedes C-Klasse (modernste Abgasklasse EURO 6) wurde dabei  bei Stadtgeschwindigkeiten ein bis zu 40-fach höherer Stickoxid (NOx) Ausstoß als auf dem Prüfstand gemessen.

Der VCÖ weist darauf hin, dass Stickoxide sehr gesundheitsschädlich sind. Vor allem Stickstoffdioxid kann zu schweren Atemwegserkrankungen führen, bei Kindern kann das Lungenwachstum beeinträchtigt werden und langfristige Lungenschäden zur Folge haben. "Wenn ausgerechnet bei Stadtgeschwindigkeiten viele zu hohe Schadstoffmengen emittiert werden, dann wird die Luft dort besonders stark verschmutzt , wo viele Menschen leben bzw. unterwegs sind", macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf die Folgen aufmerksam. Erneut zeigt sich, dass VW nur die Spitze des Eisbergs ist, betont der VCÖ. Auch Modelle anderer Hersteller weisen beim Fahrten auf der Straße deutlich überhöhte Stickoxid-Werte auf.

Der VCÖ erinnert an die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Testergebnisse: Laut Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal haben bei den bisher von der französischen Untersuchungskommission getesteten Modellen „Autos einiger Marken“ stark erhöhte Werte aufgewiesen. Renault hat bereits eine Rückrufaktion gestartet. Es wurden erst 22  von insgesamt  100 Modellen getestet. In Belgien wird eine Untersuchungskommission Überprüfungen starten, nachdem bei Opel auffällige Werte festgestellt wurden.

In Großbritannien stießen bei Abgastests unter realen Fahrbedingungen 95 Prozent von 153 getesteten Diesel-Pkw-Modellen (Euro 6 und Euro 5) mehr Stickoxide aus als der Grenzwert im offiziellen Testverfahren erlaubt. Am schlechtesten Schnitt ein Jeep Grand Cherokee ab, der 15 Mal so viele Stickoxide emittierte wie der Grenzwert für das Testverfahren vorschreibt. Die britischen Konsumentenschützer sprachen von "Stickoxid-Fabriken auf vier Rädern".

Auch frühere Messungen von unabhängigen Instituten haben festgestellt, dass neue EURO6 Diesel Pkw beim Fahren auf der Straße den Labor-Grenzwert für Stickoxide zum Teil um ein Vielfaches überschreiten.  Gleichzeitig zeigen die Rückruf-Aktionen von VW und Renault, dass es technisch ein Leichtes ist, die Schadstoffmengen zu reduzieren.

„Ob, wie bei VW eine Schummel-Software eingebaut wurde, ist aus rechtlicher Sicht relevant. Aber für die Gesundheit der Bevölkerung ist einzig und alleine entscheidend, welche Schadstoffmengen bei den Auspuffen auf der Straße rauskommen. Deshalb sind alle Hersteller aufgerufen, bei Autos, die beim Fahren besonders hohe Schadstoffmengen verursachen, jene technischen Verbesserungen durchzuführen, die zu niedrigeren Schadstoffemissionen führen“, betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen

Der VCÖ fordert, dass die Behörden der EU-Staaten die jeweiligen Testergebnisse vollständig veröffentlichen. Österreich sollte sich für diese Veröffentlichung stark machen. Zudem sieht der VCÖ nun auch das EU-Parlament gefordert. „Ich hoffe, dass das EU-Parlament bei der morgigen Abstimmung einer Aufweichung der Stickoxid-Grenzwerte eine Absage erteilt. Die Gesundheit der Bevölkerung muss Vorrang bekommen“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

 

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