VCÖ: Verbauung erhöht Belastung an Hitzetagen

VCÖ (Wien, 6. Juli 2015) – Die Hitzewelle erreicht morgen ihren vorläufigen Höhepunkt, bis zu 39 Grad werden prognostiziert. Der VCÖ weist darauf hin, dass sich Asphalt durch die Sonneneinstrahlung sogar bis auf 80 Grad erhitzen kann. Straßen und Parkplätze wirken wie ein Backofen. Die massive Zunahme der Bau- und Verkehrsflächen in den vergangenen Jahrzehnten erhöht die Hitzebelastung. Der VCÖ fordert in den Städten mehr Bäume entlang der Straßen sowie mehr Grüninseln, um das Klima in den Städten angenehmer zu machen.

„Bebauung, Straßen, Parkplätze und fehlende Beschattung erhöhen die Hitzebelastung, insbesondere in den Städten. Asphalt kann sich bis zu 80 Grad aufheizen. Hitze, die an die Umgebung abgegeben wird“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam. In Straßen ohne Bäume ist die Hitze auch auf den Gehsteigen enorm hoch, was vor allem die Gesundheit älterer Fußgängerinnen und Fußgänger stark belastet.

Laut Studie der  Alpen-Adria-Universität gab es in Österreich im Zeitraum 2003 bis 2012 im Schnitt 240 Hitzetote pro Jahr. Werden keine Anpassungsmaßnahmen getroffen, um die Folgen der Hitze zu mindern, droht für die Periode 2016 bis 2035 ein Anstieg um das Fünffache auf bis 1.200 Hitzetote pro Jahr. Laut ZAMG hat in Österreich die Zahl der extremen Hitzetage mit mehr als 32 Grad Celsius massiv zugenommen. Während es im Zeitraum zwischen 1961 und 1990 in Wien im Schnitt einen Tag pro Jahr mit mehr als 33 Grad gab, waren es im Zeitraum 1981 bis 2010 im Schnitt drei pro Jahr. In Innsbruck hat sich die Zahl der extremen Hitzetage verdoppelt. In Hörsching gab es im Zeitraum 1961 bis 1990 im Schnitt alle zwei Jahre einen Tag mit 33 Grad Celsius oder mehr, im Zeitraum 1981 bis 2010 waren es im Schnitt bereits zweieinhalb Tage pro Jahr. Und in Kremsmünster gab es zwischen 1961 und 1990 lediglich alle zehn Jahre einen extremen Hitzetag, im Zeitraum 1981 bis 2010 hingegen 13 binnen zehn Jahren.

Der VCÖ kritisiert, dass durch die massive Verbauung in Österreich die Folgen der Hitzeperioden noch verschärft werden. Laut Österreichs Nachhaltigkeitsstrategie sollten täglich maximal 2,5 Hektar Fläche verbaut werden, tatsächlich war allein der Flächenverbrauch für Bau- und Verkehrsflächen im Jahr 2014 mit 7,4 Hektar drei Mal so hoch. „Die Bau- und Verkehrsflächen beanspruchen bereits eine Fläche von mehr als 5.100 Quadratkilometer, das entspricht fast der doppelten Gesamtfläche von Vorarlberg“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Rasmussen. In den vergangenen 25 Jahren nahm allein die für Verkehr verbaute Fläche um rund 400 Quadratkilometer zu, das entspricht der Fläche Wiens.

Der VCÖ fordert eine verkehrssparende Raumordnung und einen Stopp der Zersiedelung. Bei großen Parkplätzen, die es etwa bei Einkaufszentren und Supermärkten gibt, sollten zumindest halb so viele Bäume wie es Parkplätze gibt, verpflichtend vorgeschrieben werden. Damit stehen Autofahrern auch mehr schattige Parkplätze zur Verfügung.

Vor allem in den Städten braucht es entlang von Straßen mehr Bäume als Schattenspender. Auch Wiesen, Fassadenbegrünungen und begrünte Straßenbahngleise verbessern das Mikroklima. In Österreich gibt es bereits rund 24 Kilometer begrünte Straßenbahngleise, davon rund 16 Kilometer in Linz und jeweils rund vier Kilometer in Graz und Wien, macht der VCÖ aufmerksam.

Eine weitere Folge der Hitze: Die gesundheitsschädliche Ozonbelastung nimmt zu. Autofahrten sollten daher so weit es möglich ist, vermieden werden.

 

VCÖ: Bereits mehr als 5.000 Quadratkilomter Fläche in Österreich verbaut
(Bau- und Verkehrsflächen im Jahr 2014 in Quadratkilometer)

Niederösterreich: 1.489 qkm

Oberösterreich: 946  qkm

Steiermark: 891 qkm

Kärnten: 456 qkm

Burgenland: 350 qkm

Tirol: 344 qkm

Salzburg: 272 qkm

Wien: 218  qkm

Vorarlberg: 158 qkm

Österreich : 5.124 qkm

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2015

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