VCÖ: In Österreich wird heute um 50 Prozent mehr Diesel getankt als vor 20 Jahren

VCÖ: E-Autos mit besserer CO2-Bilanz als Diesel-Pkw, aber: Mit E-Autos alleine ist Klimaziel nicht erreichbar

VCÖ (Wien, 22. November 2016) – Heuer wird so viel Diesel getankt, wie noch nie zuvor in Österreich, macht der VCÖ aufmerksam. Dabei ist schon in den vergangenen 20 Jahren der Dieselverbrauch um rund 50 Prozent auf 7,7 Milliarden Liter im Vorjahr gestiegen, für heuer rechnet der VCÖ mit einem weiteren Anstieg auf 7,9 Milliarden Liter. Mit dem Klimaabkommen von Paris wurde der globale Ausstieg aus Erdöl und anderen fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2050 beschlossen. Mit E-Autos alleine ist dieses Ziel nicht erreichbar, betont der VCÖ.

„Der Dieselboom hat nicht nur in der Feinstaubbilanz und bei den Stickoxid-Werten seine Spuren hinterlassen. Auch der Spritabsatz hat sich dadurch völlig verändert“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Noch im Jahr 1990 wurde in Österreich deutlich mehr Eurosuper getankt als Diesel, heute fließt bereits dreieinhalb Mal so viel Diesel in die Tanks als Benzin. Verantwortlich für die Zunahme ist nicht nur der Lkw-Verkehr. Die CO2-Emissionen der Diesel-Pkw haben sich laut Umweltbundesamt von 1,39 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 6,84 Millionen im Jahr 2014 verfünffacht. Für heuer ist ein weiterer Anstieg auf rund sieben Millionen Tonnen CO2 zu erwarten.

Der Grund: Dieseltreibstoff wird seit Anfang der 1990er Jahre sehr stark steuerlich begünstigt. Derzeit ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Gleichzeitig wird beim Verbrennen von einem Liter Diesel um rund 13 Prozent mehr CO2 verursacht als bei Benzin. Laut WIFO wird in Österreich Dieseltreibstoff in Summe mit rund 640 Millionen Euro pro Jahr steuerlich begünstigt. Die steuerliche Begünstigung ist nicht gerechtfertigt und sollte spätestens seit dem Dieselabgasskandal der Vergangenheit angehören, betont der VCÖ.

Die CO2-Bilanz von Diesel-Pkw ist schlecht. Im Schnitt verursacht ein Diesel-Pkw in Österreich 193 Gramm CO2 pro Fahrzeugkilometer, ein E-Pkw mit Ökostrom verursacht in der Gesamtbilanz (inklusive Fahrzeug- und Batterieherstellung und Strombereitstellung) mit 19 Gramm CO2 pro Fahrzeugkilometer um 90 Prozent weniger CO2 - aber nur mit Ökostrom, macht der VCÖ aufmerksam. Der CO2-Ausstoß mit dem durchschnittlichen Strommix in Österreich ist doppelt so hoch wie mit Ökostrom, mit europäischem Strommix dreimal so hoch. Die Zunahme bei den E-Autos muss Hand in Hand mit der Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energie gehen, fordert der VCÖ.

E-Pkw sind klimafreundlicher als Diesel-Pkw. Im Vergleich zu anderen E-Fahrzeugen wie E-Fahrräder oder dem Öffentlichen Verkehr ist die Gesamtumweltbilanz der E-Pkw schlechter. „Mit dem E-Auto alleine wird Österreich nicht ans Klimaziel kommen. Deshalb sind die anderen klimafreundlichen Mobilitätsangebote und die Infrastrukturen dafür stärker zu fördern und auszubauen", betont VCÖ-Experte Gansterer. Entsprechend hat ein E-Mobilitätspaket alle Formen der E-Mobilität zu berücksichtigen, etwa auch E-Lastenfahrräder.

Heute sind E-Fahrräder die am meisten verkauften E-Fahrzeuge Österreichs. Die Erfahrungen zeigen, dass damit viele kurze Autofahrten aufs Rad verlagert werden können, vorausgesetzt es gibt eine gute Radinfrastruktur. Anschub durch Förderungen benötigen E-Lastenfahrräder, die großes Potenzial sowohl für Betriebe als auch für Familien haben. Ebenso ist das öffentliche Verkehrsnetz auszubauen.  Dass in Österreich heute bereits jeder 6. Kilometer e-mobil zurückgelegt wird, ist den Bahnen und städtischen Öffis zu verdanken. Das Bahnnetz sollte in Österreich nach Schweizer Vorbild zu 100 Prozent elektrifiziert werden, derzeit sind es nur 70 Prozent. Die Busflotten im städtischen Öffentlichen Verkehr sollten bis spätestens zum Jahr 2030 auf E-Busse umgerüstet sein.

VCÖ: Dieselverbrauch in Österreich massiv gestiegen (In Österreich getankte Menge an Diesel)

Jahr 2016* : 7,9 Milliarden Liter

 Jahr 2015: 7,7 Milliarden Liter

Jahr 2014: 7,5 Milliarden Liter

Jahr 2013: 7,6 Milliarden Liter

Jahr 2012: 7,4 Milliarden Liter

Jahr 2011: 7,2 Milliarden Liter

Jahr 2010: 7,3 Milliarden Liter

Jahr 2009: 7,0 Milliarden Liter

Jahr 2005: 7,4 Milliarden Liter

Jahr 2000: 6,2 Milliarden Liter

Jahr 1995: 5,2 Milliarden Liter

 *Abschätzung VCÖ

Quelle: FVMI, VCÖ 2016

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