VCÖ: Handy am Steuer – in Österreich mehr als 430.000 Lenker binnen drei Jahren erwischt

VCÖ (Wien, 31. März 2014) – Mehr als 430.000 Lenker wurden in den vergangenen drei Jahren in Österreich beim unerlaubten Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, macht der VCÖ aufmerksam. Der VCÖ weist darauf hin, dass mit dem Handy telefonierende Fahrzeuglenker so schlecht reagieren wie Alko-Lenker mit 0,8 Promille. Im Vorjahr wurden fast vier Mal so viele Handy-Telefonierer wie Alko-Lenker ertappt. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.

„Dieser Unfall macht unendlich traurig und fassungslos. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, so VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek. Die Benützung des Handys durch einen Lkw-Lenker hat am Freitag einen schweren Schulbusunfall verursacht und einem 12 jährigen Schüler das Leben gekostet. „Leider kann diese Katastrophe nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aber es können Maßnahmen gesetzt werden, damit solche oder ähnliche Tragödien in Zukunft nicht passieren“, betont VCÖ-Expertin Urbanek.

Leider ist das Handy-Telefonieren während des Lenkens eines Fahrzeugs weit verbreitet. In den vergangenen drei Jahren wurden 435.229 Lenker beim Handy-Telefonieren erwischt. Im Vorjahr waren es 137.554, und damit fast vier Mal so viele wie Alko-Lenker. Dabei wird nur ein Bruchteil erwischt: Bei einer aktuellen Umfrage von Makam-Research gab jeder dritte Autofahrer an, während der Fahrt mit dem Handy zu telefonieren, jeder fünfte Autofahrer schreibt oder liest SMS bzw. E-Mails.

„Vielen ist nicht bewusst, wie sehr das Unfallrisiko beim Handy-Telefonieren zunimmt. Wer beim Lenken eines Fahrzeugs mit dem Handy telefoniert, reagiert ähnlich schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille und hat damit ein vier bis fünfmal so hohes Unfallrisiko wie ein aufmerksamer Fahrer“, macht VCÖ-Expertin Urbanek aufmerksam. Wer ein SMS oder E-Mail schreibt, ist sogar an die zwei Sekunden im Blindflug unterwegs.

Ein Beispiel des VCÖ verdeutlicht die Folgen: Ein aufmerksamer Autofahrer hat bei Tempo 50 auf trockener Fahrbahn einen Anhalteweg von 24 Metern. Wer mit dem Handy telefoniert, hat einen um ein Drittel längeren Anhalteweg (32 Meter). Nach 24 Meter hat das Auto noch eine Geschwindigkeit von 36 km/h. Wer ein SMS schreibt, hat einen mehr als doppelt so langen Anhalteweg (52 Meter). Nach 24 Metern würde das Fahrzeug ungebremst mit 50 km/h kollidieren, die Folgen des Unfalls wären fatal.

„Unachtsamkeit ist ein wachsendes Problem. Umso wichtiger sind umfassende Maßnahmen, um die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu erhöhen“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. Das Motto beim Fahrzeuglenken sollte lauten „Don’t phone and drive“. Der VCÖ setzt sich für verstärkte Bewusstseinskampagnen für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr ein. Zudem sollte Handy am Steuer ins Vormerksystem aufgenommen werden. Aus Sicht des VCÖ ist es wichtig, das Problem der mangelnden Aufmerksamkeit umfassend zu betrachten. Auch infrastrukturelle Maßnahmen sowie eine Verringerung der Werbetafeln entlang von Straßen, insbesondere im Kreuzungsbereich sowie die Durchforstung des Schilderwaldes sind wichtig, um die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu erhöhen.

Der VCÖ macht wichtige Bewusstseinsarbeit zu diesem Thema. Informationen dazu bietet der VCÖ auch auf www.vcoe.at/aufmerksamlenken an
Den VCÖ-Hintergrundbericht zum Thema finden Sie hier
Das Factsheet zu Ablenkung und Unachtsamkeit am Steuer finden Sie hier

 

VCÖ: Drei mal so viele Strafen wegen Handy am Steuer als für Alkohol am Steuer
(Anzahl Strafen in Österreich  wegen Handy am Steuer – in Klammer Anzahl Strafen Alkohol am Steuer) 

Jahr 2013: 137.554 Handy am Steuer / 35.404 Alkohol am Steuer
Jahr 2012: 148.594 Handy am Steuer / 38.622 Alkohol am Steuer
Jahr 2011: 149.081 Handy am Steuer / 40.234 Alkohol am Steuer
Summe:  435.229 Handy am Steuer / 114.300 Alkohol am Steuer

Quelle: BMI, VCÖ 2014

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